Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Ortsgruppe Neuss

Wem gehört der Bürgersteig?

Die Neusser Verwaltung soll für jeden entfallenden Parkplatz die Politik um Erlaubnis fragen. Das sorgte für Ärger, auf der Hermannstraße eskalierte der Konflikt. Und wieder mal sind die Radfahrer schuld. Wir zeigen, worum es hier wirklich geht.

Hermannstraße: kein Platz für Menschen
Hermannstraße: kein Platz für Menschen © ADFC

Fußgänger haben es auf der Hermannstraße im Neusser Gründerzeitquartier schwer, seit hier vor Jahren das Parken mit zwei Reifen auf dem Gehweg erlaubt wurde. Vom ohnehin schmalen Bürgersteig lassen die Autos nur 1,30 m übrig. An manchen Stellen ist es noch weniger, weil Anwohner, die nicht wissen, wohin mit ihren Fahrrädern, diese an den den Hauswänden abstellen. Menschen mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen kommen oft kaum mehr durch, schon gar nicht, wenn an Entsorgungstagen auch noch Tonnen auf dem Gehweg stehen.

Im Frühjahr ließ die Verwaltung auf der Hermannstraße 8 Fahrradbügel für 16 Fahrräder aufstellen, auf Kostem von zwei KFZ-Stellplätzen. Die Maßnahme war der Einstieg in die Erfüllung eines früheren Auftrags des Rats an die Verwaltung, für die bedarfsgerechte Installation von mehr Fahrradabstellanlagen im gesamten Innenstadtbereich zu sorgen. Die Bügel auf der Hermannstraße wurden gerne angenommen, und das Problem war gelöst: Die Bürgersteige waren jetzt frei von Fahrrädern an Hauswänden. Bis dann im Juni im Bezirksausschuss Innenstadt überraschend die Forderung aufkam, die Fahrradbügel wieder abzubauen. Zur Begründung wurde auf einen Begleitbeschluss zum städtischen Haushalt vom März 2026 verwiesen, wo sich der folgende Satz findet: „Jede von der Verwaltung geplante dauerhafte Wegnahme von Parkplätzen ist dem Ausschuss für Mobilität und Infrastruktur zur Beratung und Beschlussfassung vorzulegen.“ Der Ausschuss verpflichtete die Verwaltung, die Bügel wieder abzubauen und in einer Bürgerbefragung überall dort, wo Parkplätze entfallen, zunächst den Wunsch der Anlieger zu ermitteln. Da dies im Rahmen des Gesamtprojekts sieben Standorte mit neun KFZ-Stellplätzen betrifft, musste die Verwaltung eine umfangreiche Befragung initiieren. Über die Ergebnisse soll im November im Ausschuss berichtet werden.

Hermannstraße: Fahrräder unerwünscht?
Hermannstraße: Fahrräder unerwünscht? © ADFC

Kommentar

Lasst die Fachleute arbeiten

Ein Fahrrad beansprucht nur den Bruchteil der Fläche eines Autos. Radfahren schont den knappen urbanen Raum, Autofahren belastet  ihn. Deshalb hat die Verwaltung im Zuge des Mobilitätsentwicklungskonzepts von der Politik den Auftrag bekommen, Maßnahmen umzusetzen, die den Radverkehr fördern. Im vorliegenden Fall sollen für die Einrichtung von 388 neuen Fahrradabstellplätzen nur neun KFZ-Stellplätze entfallen, das ist weniger als ein halbes Prozent von insgesamt 2500 Parkplätzen im Straßenraum der Neusser Innenstadt.

Wir finden: Darum soll man nicht feilschen. Dafür soll man auch nicht mit teuren Umfragen das Personal und den Haushalt der Stadt belasten. Zumal man mit der vorgesehenen Befragung von Haushalten in 300 Meter Umkreis um die Standorte Passanten, die nicht in dem Bereich wohnen, aber die Nebenstraßen der City für  Wege zum Bus, zur Schule zum Supermarkt nutzen, nicht erfasst. Die Qualität der Ermittlung des Bürgerwillens bleibt damit sehr begrenzt. Hinzu kommt ein grundsätzlicher Gerechtigkeitsmangel des Gehwegparkens: Da wird der Autoverkehr zu Lasten der zu Fuß Gehenden, insbesondere der Menschen mit Behinderung oder mit Kindern, bevorzugt. Die Mindestbreite eines Bürgersteigs von 1,80 wird auf der Hermannstraße deutlich unterschritten. Eigentlich müsste das Bürgersteigparken dort vollständig untersagt werden. Wir werden gemeinsam mit dem Forum Stadtentwicklung eine Informationsbroschüre herausgeben.

Unser Fazit: Die Aufstellung von Fahrradbügeln im Straßenraum ist laufendes Geschäft der Verwaltung. Lasst die Fachleute arbeiten. Denn sie wissen, was sie tun. 


https://neuss.adfc.de/neuigkeit/wem-gehoert-der-buergersteig

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